#14 - The Memory Police von Yoko Ogawa: Kafkaeske Parabel über Faschismus und das Vergessen
Im Blätterwald – Der Literaturpodcast
Wir melden uns zurück mit einem Roman, der bereits 1994 im japanischen Original erschien und 2019 schließlich auch ins Englische übersetzt wurde: In "The Memory Police" von Yoko Ogawa beschreibt die Autorin eine fiktionale Insel, auf der die Erinnerungen an alltägliche Gegenstände und Naturdinge zunehmend dem Vergessen anheim fallen. Vögel, Hüte, Parfum und selbst Romane werden von den Bewohner:innen allmählich vergessen und ihre Existenz damit aus der Welt getilgt. Über diesen Prozess wacht die namensgebende totalitäre Memory Police, die Jagd auf all jene macht, die ihre Erinnerungsfähigkeiten noch nicht verloren haben.
Das Buch, das an Werke wie "1984", aber auch an Autoren wie Kafka oder Murakami erinnert, erlaubt Parallelen zu den dunkelsten Momenten der deutschen Geschichte, ist durch seine parabelhaftigkeit aber auch sonst vielfältig anknüpfbar für Analysen. Wir sprachen ausführlich über diesen mysteriös-melancholischen Roman, seine faszinierende Struktur und den tiefen Humanismus, der sich im sensiblen Sprachstil ausdrückt. Viel Spaß beim Hören!
Weiterführendes und Korrektur:
- Das Undertale-Zitat, das Johannes am Ende der Folge vorliest, war im Wortlaut nicht ganz korrekt, hier die richtige Version: "Ahh, what a beautiful knock...! Maybe if I don't answer, I'll hear it again."
- Interview mit Yoko Ogawa und ihrem Übersetzer https://www.youtube.com/watch?v=fTBn7YhxOPc
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